Julies Epilepsietagebuch
![]() |
Vorfall 1: Das ist aber komisch!
So fing alles an…
Vor 1 Jahr (März 2009) stand Julie auf der Wiese im Garten und zupfte
sich einen Grashalm nach dem Anderen.
Was passiert wenn Hunde Gras fressen ist bekannt...nur war es am besagten
Tag eben nicht wie immer.
Julie würgte und würgte und würgte...sie schwankte und hatte
stark Mühe sich auf den Beinen zu halten...dann kam der Grasklumpen
wieder raus und alles war gut.
Ich machte mir auch nicht wirklich Gedanken darüber, schob es darauf
das ihr eben schlecht sei...
Fataler Fehler wie sich nicht viel später herausstellte.
Das Blutbild kam 2 Tage später und zeigte keinerlei Anomalitäten.
Alle Werte waren optimal und keineswegs besorgniserregend.
Ein einziger Wert war einen Tick über den Normalwert und der hätte
laut Tierärztin auf eine leichte Vergiftung hindeuten können…
Auf meine Frage ob es auch ein epileptischer Anfall gewesen sein könnte
(wegen dem Speichel und dem Verhalten) wurden nur ratlos die Schultern gezuckt
und ein müdes: „Epilepsie ist schwer fest zu stellen…“
von sich gegeben.
Ratlos war sie ebenso wie ich und so zog ich von Dannen ohne eine Antwort.
Gegenmaßnahmen:
Was macht man wenn man eigentlich weiß, dem Hund geht es schlecht
wenn er auf Gras erbrechen muss?
Die einzig logische Schlussfolgerung von mir: Ich vermeide, dass sie etwas
zu sich nimmt was sie in diese Situation bringt.
Das funktionierte wunderbar – 3 Monate.
Man wird vielleicht leichtsinnig wenn man keine Ahnung hat wo das Problem
ist und es plötzlich wirklich verschwunden ist weil man eine einzige
Vorsichtsmaßnahme einhält.
Vielleicht hatte ich es auch verdrängt, als ich Julie in den Garten
lies vor dem Fressen weil ich schnell nochmal was einkaufen musste.
Ich stand gerade an der Kasse, da klingelte mein Handy…
Meine Schwester rief mich völlig aufgeregt an, ich müsse schnell
zurückkommen, Julie liegt vorm Schwimmbecken und krampft.
Bei mir läuteten alle Alarmglocken – doch Epilepsie???!!! -
Ich stand zum Glück schon bis vorne an der Kasse, hatte nur 10 Minuten
Heimweg mit dem Auto.
Mir schossen tausend Sachen durch den Kopf und ich wusste nicht was mich
erwarten würde wenn ich ihr plötzlich gegenüber stehen würde.
Würde sie mich erkennen?
Wird sie wieder einen Kamm stellen und mich fixieren?
Ich hätte mich dafür ohrfeigen können sie im Garten gelassen
zu haben ohne ein Auge darauf haben zu können was sie tut.
Ich öffnete vorsichtig das Gartentor und Julie kam mir gleich entgegengelaufen.
Wieder etwas schwammig in der Bewegung aber sie freute sich.
Ich war verwirrt, sie war wieder voll weißem Schleim im Gesicht und
an der einen Körperhälfte.
Der Po war trocken, wusste ich doch eigentlich, dass Hunde während
einem epileptischen Anfall Urin verlieren.
Natürlich fand ich wieder einmal einen erbrochenen Grashaufen…
und war so schlau wie vorher.
Nach diesem Vorfall war Ruhe und wir konnten den Sommer genießen.
Ich achtete penibel darauf, dass Julie kein Gras frisst und es schien zu
funktionieren.
Bis in den Herbst hatten wir tatsächlich nichts mehr, was besorgniserregend
gewesen wäre.
Julie erhob sich langsam von ihrem Hundebett, fing an zu würgen und
im selben Moment als sie ein Stück Rinderhautrest erbricht, den sie
mal wieder unzerkaut geschluckt hatte, fällt sie wie ein Stein um,
krampft und uriniert.
Mir ist fast das Herz stehen geblieben.
Hilflos stand ich da, geschockt vom Anblick meiner Hündin, es sah so
grausam aus.
Was soll ich tun?
Warum ausgerechnet sie?
Ich zitterte am ganzen Körper, wusste, dass sie nichts mitbekommt und
rief trotzdem ständig ihren Namen in der Hoffnung sie beruhigt sich
etwas durch meine Stimme.
Der Krampf dauerte nicht lange, vielleicht 10 Sekunden, aber dann lag sie
auf der Seite und rannte was das Zeug hielt.
Ich versuchte sie immer wieder zu beruhigen, streichelte sie, schaute, dass
sie sich beim wilden Rudern nicht verletzt.
Nach 2 Minuten (die mir wie Stunden vorkamen) war der Spuk vorbei und sie
konnte aufstehen.
Sie fixierte mich wieder und stellte ihr Rückenfell auf.
Mir wurde heiß und kalt, hatte ich doch keine Ahnung was sie als Nächstes
tun würde… Horrorgeschichten hatte ich bereits genug gehört
während meiner Tierheimarbeit.
Julie beruhigte sich recht schnell wieder, fixierte mich nicht mehr und
ihre Augen waren nicht mehr so panisch aufgerissen.
Die Unruhe jedoch, die ich ja nun schon von den anderen mysteriösen
Vorfällen kannte, blieb.
Julie rannte unaufhörlich die Wohnung auf und ab…hatte Durst
und versuchte die Küche nach essbaren Sachen zu durchwühlen.
Es half nur noch sie an die Leine zu nehmen und ein Stück mit ihr zu
laufen, danach legte sie sich hin als ob nichts gewesen wäre.
Nun hatte ich Gewissheit, sie hatte einen epileptischen Anfall.
Meine nächste Reaktion war: Tierärzte anrufen.
Je mehr Infos ich habe desto besser kann ich handeln – so meine Theorie.
Ich fiel damit auf die Nase und wurde von allen Tierärzten damit abgefertigt:
„3-4 Anfälle im Jahr sind ok, mehr dürfen es aber nicht
werden, melden Sie sich wenn es soweit ist! Mehr als Ruhe bewahren können
Sie jetzt nicht“
Das war die grobe Zusammenfassung aller Gespräche.
Ich klemmte mich hinters Internet und auch da las ich immer wieder, dass
man nur Medikamente geben sollte wenn die Anfälle regelmäßig
sind und mehr als 3-4 mal im Jahr.
Meine Verunsicherung wich zwar langsam aber Zweifel hatte ich immer noch
ob ich das Richtige tue wenn ich abwarte und auf den nächsten Anfall
warte.
Der 2. Anfall
Der sollte auch nicht lange auf sich warten lassen.
Aus meiner eigenen Unachtsamkeit schaffte es Julie sich im November 2009
ein paar Walnüsse zu klauen.
Wir waren nur kurz außer Haus und als wir zurück kamen war schon
einiges an Nüssen verzehrt.
Die Nussschalen lagen überall verstreut und die Nuss war überall
fein säuberlich raus geschält.
Nach 1 Tag war noch nichts, sie schied die Nüsse auf anderen Wegen
wieder aus und ich hoffte nur, dass das jetzt alles war.
Nun, man sollte nicht zu früh hoffen…
Am 2. Tag Mittag war ich nur kurz im Keller und hörte schon bei der
ersten Treppe einen riesen Krach in meiner Wohnung.
Ich dachte erst die Hunde würden spielen und im Flur rumhüpfen,
ich hörte nur Krallen auf dem Laminat und mächtige Schwanzschläge
zwischendurch.
Ich rannte in die Wohnung und Julie lag wieder rennend auf der Seite, der
Krampf war schon vorbei.
Allerdings mischte sich zum Nusserbrochenem, Speichelschleim und Urin nun
auch noch Blut und es kam definitiv aus Julies Schnauze.
Sie hatte sich beim Krampfen wohl etwas an der Zunge verletzt aber die Blutung
stoppte auch sofort wieder und war kaum sichtbar.
Ich redete mit Julie, die immer noch wild strampelnd im Flur lag und zu
winseln anfing.
Hilflosigkeit überschwappte mich, ich wollte ihr so gerne helfen und
dabei schossen mir die Tränen in die Augen.
Ich fing an alles Nasse um sie herum aufzuwischen was ging, damit sie auf
dem schmierigen Boden nicht ausrutscht beim Aufstehen.
Sie hatte es nach dem Anfall auch so schon richtig schwer auf die Beine
zu kommen.
Nach ihrem ersten misslungenem Versuch lag sie langestreckt auf dem Bauch
und fixierte mich wieder mit aufgestelltem Kamm.
Kaum stand sie, ging die Rennerei wieder los und ich lief erst einmal ein
Stück mit ihr damit sie sich beruhigen konnte.
Ziemlich genau 1 Monat später hatten wir das Selbe noch einmal mit
einem Stück Rinderhautknochen.
Und wenn man es nun genau nimmt (mit dem Anfall den nur meine Schwester
sah) waren das 4 erkennbare epileptische Anfälle von März bis
Dezember.
Ich behielt das alles trotzdem im Auge.
Im Januar 2010 erwischte es meinen Lebensgefährten am Wochenende als
ich arbeiten musste.
Es war das gleiche Schema wie immer, aber diesmal erbrach sie nur Galle
bevor sie umfiel.
Wir hatten also keinen größeren Übeltäter der es auslöste
wie sonst.
Im Februar 2010 waren morgens gerade alle an die Arbeit gefahren als meine
Schwester mich anrief, es wäre so ein großer Krach bei mir, ob
noch jemand da wäre.
Sofort wusste ich was los was aber ich konnte nicht von der Arbeit weg,
war auch viel zu weit weg von daheim und rief sofort meinen Lebensgefährten
an der gleich darauf los fuhr um zu sehen was passiert ist.
Als er ankam war alles schon vorbei und er versuchte wenigstens die Unordnung
etwas zu beseitigen.
Auch an dem Tag war nur erbrochene Galle zu finden.
Ich schaute auf meinen letzten Kalendereintragungen nach wann die letzten
Anfälle genau waren und stellte mit Erschrecken fest, dass es 4 Anfälle
in 4 Monaten waren und immer ziemlich in der ersten Monatswoche.
Wie es mir in den ersten Tagen im März 2010 ging vermag ich gar nicht
zu beschreiben.
Aber nichts deutete darauf hin, dass es Julie irgendwie schlecht gehen würde.
Ich hoffte noch immer diese monatlichen Anfälle wären eine Ausnahme
und es würden sich die Abstände wieder erweitern.
Aber es kam dann doch anders.
Es war Freitag, der 05.03.2010 an dem sich sogar das ganze
übliche Schema änderte.
Wir saßen abends da und redeten als Julie plötzlich ohne Vorwarnung
aus dem Schlaf einen Anfall bekam und von ihrem Hundebett fiel.
Der Krampf allein dauerte diesmal mit Sicherheit eine knappe Minute, es
kam mir ewig lang vor und sie konnte sich überhaupt nicht mehr beruhigen
als sie wieder wild strampelnd am Boden lag.
Nach 10 Minuten versuchte sie aufzustehen aber es klappte nur kurz und sie
fiel wieder mit voller Wucht auf den Boden.
Ich stellte mich hinter sie, damit sie beim Aufstehen nicht rutscht und
einen Halt hat.
Da saß sie nun angelehnt zwischen meinen Beinen und fixierte mich
von unten mit weit aufgerissenen Augen.
Ich versuchte sie so gut es ging zu ignorieren und entfernte mich langsam
wieder hinter ihr.
Ihr Rückenfell war wieder aufgestellt und ich war mir unsicher wie
lange man so etwas einem Tier zumuten sollte.
Klar, es ist eine Krankheit die einigermaßen behandelbar ist aber
es tut einem selbst so weh wenn der Hund mit gefletschten Zähnen und
total verkrampft am Boden liegt und danach laut winselnd nach Luft schnappt.
Mitten in der Nacht tut es einen uns mittlerweile bekannten Schlag, gefolgt
von Kratzen und Schwanzschlagen auf dem Laminat.
Julie hat 0.00 Uhr noch friedlich geschlafen als wir ins Bett gegangen sind
und ist demnach wieder einfach vom Hundebett gefallen.
Diesmal habe ich gar nichts gemacht.
Ich stand neben ihr und habe, mit der Leine bewaffnet, gewartet bis es vorbei
ist.
Und irgendwie hatte ich endlich mal das Gefühl es ist richtig.
Je mehr ich an ihr rumgestreichelt habe oder sie versucht habe zu beruhigen
umso schlimmer fixierte sie mich wenn sie langsam zu sich kam.
Nach diesem Anfall gar nicht!
Sie kam recht schnell aus diesen Verkrampfungen und konnte wieder aufstehen.
Mein Lebensgefährte ging noch 30 Minuten mit ihr spazieren weil sie
einfach keine Ruhe fand und ziellos in der Wohnung umher rannte.
Danach legte sie sich hin und schlief kurz darauf wieder ein.
Da die Kastration und Wolfskrallen-OP bei unserer 1 jährigen „Ginger“
nun schon für Freitag den 26.03.2010 anstand, nahmen wir Julie gleich
mit.
Ich schilderte dem Tierarzt meines Vertrauens das Problem und für ihn
gab es da keine Diskussionen, dass Julie unbedingt per Medikament geholfen
werden müsste bevor es noch schlimmer wird.
Samstag konnte ich die Medikamente abholen und seit 4 Tagen bekommt sie:
2 x ¼ täglich Luminal 100mg
Und für den Fall der Anfall dauert zu lange:
Diazepam Destin rectal tube 5mg (wird während einem Anfall rektal verabreicht)
20.04.2010
30 Tage ohne Anfall und Julie scheint es richtig gut zu gehen.
Sie genießt es bei dem Wetter in der warmen Sonne zu liegen.
Ob Balkon oder Wiese ist ihr egal, Hauptsache Sonne!
Das Einzige was wirklich auffällig ist seit Luminal, dass sie schlechter
aufstehen kann und wenn sie zu wild spielt, fällt sie auch mal hin
in der Kurve ohne ersichtlichen Grund.
Trotzdem, wenn alles so bleibt, bin ich zufrieden.
Da schaue ich auch dezent über ihren dauernden Heißhunger hinweg.
20.04.2010 (Klappe die 2.)
Es war gerade mal eine halbe Stunde her, als ich meinen letzten Eintrag
schrieb, da tat es einen Schlag und Julie knallte wieder von ihrem Bett
runter und hatte einen Anfall.
Man sollte sich halt nicht zu früh freuen!
Sie läuft seit dem Anfall wieder sehr viel sicherer…vielleicht
waren ihr Stolpern und Hinfallen…diese Tollpatschigkeit…erste
Anzeichen?
Ich werde es im Auge behalten. Jetzt gucken wir vor allem in welchem Takt
wir nun sind um die Luminaldosis anzugleichen.
04.05.2010
13 Tage sind rum...wenn heute kein Anfall mehr kommt haben
wir wieder die 2 Wochen geschafft.
Im Moment bin ich am überlegen wie ich Julies Futter umstellen kann.
Sie ist ja super empfindlich und Durchfallgeschichten möchte ich ihr
und mir gerne ersparen.
Momentan bekommen die Hunde MeraDog univit eingeweicht...aber der Getreideanteil
darin ist nicht besonders Epileptikerfreundlich.
Werde mich also auch noch in der Hinsicht schlau machen.
05.05.2010
Heute war ich im Fressnapf und habe nach Futter ohne Getreide
oder wenigstens wenig Anteilen darin gesucht.
Es ist echt kaum zu glauben, selbst die richtig teuren Marken haben alle
massenhaft Getreide drin.
Ich habe mich heute für einen Sack von Markus Mühle entschieden.
Das Futter ist komplett in Pellets gepresst, kaum zu bewältigen für
Gingers kleine Kiefer und ich möchte es doch beiden Hunden ermöglichen
können
gesundes Futter zu haben!
![]() |
Also eingeweicht...und es entstand ein undefinierbarer grauer Mus mit immernoch
festen Brocken drin, trotz kochendem Wasser!
Naja...5-6 Pellets (insgesamt) gab es für die Hunde heute untergemischt
und Julie reagiert sofort.
Durchfall ist es noch nicht aber es wird schon breiig...außerdem pupst
sie wie verrückt...kann doch unmöglich von den paar Pellets kommen?
Nun, wir gucken mal wie es die nächsten Tage wird.
© by kleine-elfe.de